Rammschutz in Lager und Produktion planen

Wo tatsächlich angefahren wird und was das kostet

Ein professionell geplanter Rammschutz bewahrt Regale, Tore und Stützen vor teuren Rangierschäden. Dieser Leitfaden zeigt, welche Vorgaben nach DIN EN 15635 und DGUV gelten, wie Sie Poller und Leitplanken richtig einsetzen und den Anfahrschutz im laufenden Betrieb nachrüsten.

Rechtliche Grundlagen nach DIN EN 15635 und DGUV

In deutschen Lager- und Produktionsstätten gehört der Verkehr von Flurförderzeugen wie Gabelstaplern und Hubwagen zum täglichen Betriebsablauf. Wo schwere Lasten auf engem Raum bewegt werden, besteht ein kontinuierliches Anprallrisiko für die physische Infrastruktur. Gesetzgeber und Berufsgenossenschaften verpflichten Gewerbebetriebe daher zu klaren Schutzmaßnahmen. Die Grundlage für die Betriebssicherheit bildet die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) in Kombination mit dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). Nach § 3 BetrSichV muss der Arbeitgeber vor der Verwendung von Arbeitsmitteln eine Gefährdungsbeurteilung durchführen und daraus die notwendigen Schutzmaßnahmen ableiten. Sachliche Vorgaben sorgen dafür, dass Unfälle vermieden und die Stabilität tragender Konstruktionen gesichert bleiben.

  • DIN EN 15635: Regelt die Anwendung und Wartung von ortsfesten Regalsystemen aus Stahl sowie den verpflichtenden Einsatz von Schutzvorrichtungen.
  • DGUV Information 208-043: Spezifiziert die Sicherheitsanforderungen für Regale und schreibt die Trennung von Regalkonstruktion und Anfahrschutz vor.
  • DGUV Regel 108-007: Definiert die Mindestanforderungen an die Energieaufnahme von Schutzsystemen bei Kollisionen im Innenbereich.

Betreiberverantwortung und Haftungsrisiken

Die Verantwortung für die Einhaltung dieser Vorgaben liegt uneingeschränkt beim Betreiber der Liegenschaft beziehungsweise der Halle. Kommt es durch fehlenden oder mangelhaften Anfahrschutz zu Regaleinstürzen oder Personenunfällen, drohen gravierende haftungs- und versicherungsrechtliche Konsequenzen. Sachschäden an Regalen oder Hallenstützen können die Statik des gesamten Gebäudes gefährden. Ein strukturierter, normgerechter Schutz sichert die Kontinuität der Lagerprozesse und schützt Arbeitnehmer wie Güter gleichermaßen.

SVEAG erbringt diese Leistung bundesweit als Rammschutz & Anfahrschutz – mit Zustandserfassung über den gesamten Bestand, Ausführung in Bauabschnitten und dokumentierter Übergabe.

Regalstirnseiten und Eckbereiche normgerecht sichern

Regalzeilen in Logistikhallen sind an den Stirnseiten und Gangenden besonders exponiert. Wenn Gabelstapler aus den Gängen in Hauptverkehrswege einbiegen, kommt es im Kurvenbereich gehäuft zu Streif- oder Prallkontakten. Die DIN EN 15635 schreibt für diese Gefahrenpunkte zwingend einen externen Anfahrschutz vor. Diese Vorgabe gilt für alle ortsfesten Regale, die mit nicht schienengeführten Flurförderzeugen bedient werden.

Maße und Kennzeichnung nach ASR A1.3

Der Gesetzgeber stellt konkrete bauliche Anforderungen an den Eckschutz von Regalanlagen. Gemäß Punkt 4.7 der DGUV Information 208-043 muss der Anfahrschutz an den Eckbereichen eine Mindesthöhe von 400 Millimetern aufweisen. Eine entscheidende Regel lautet: Der Schutz darf nicht direkt an der Regalstütze verschraubt sein. Er wird unabhängig im Hallenboden verankert, damit die Anprallenergie nicht direkt in die Regalstruktur eingeleitet wird. Ergänzend schreibt die ASR A1.3 eine gut sichtbare gelb-schwarze Warnmarkierung vor, die durch professionelle Logistikmarkierung ergänzt werden kann, um Fahrwege klar abzugrenzen.

Torzargen, Stützen und Gebäudestrukturen schützen

Neben Regalsystemen erfordern auch die baulichen Elemente einer Lager- oder Produktionshalle gezielten Schutz. Hallenstützen aus Beton oder Stahl tragen die Dachlast des Gebäudes. Beschädigungen durch Anprall von Flurförderzeugen können daher die Tragfähigkeit betreffen und aufwendige Sanierungen nach sich ziehen. Ebenso sind Sektionaltore, Schnelllauftore und Verladestationen ständigen Rangierbewegungen ausgesetzt, bei denen ungeschützte Torzargen schnell kollabieren können.

  • Säulen- und Stützenschutz: Vollumschließende Stahl- oder Polymer-Ringe fangen Stöße rund um die Hallenstütze ab.
  • Torzargenschutz: Seitlich montierte Rammschutzwinkel oder Poller verhindern das Hängenbleiben von Paletten oder Gabelzinken.
  • Höhenbegrenzer: Frei hängende oder starr montierte Barrieren schützen Torrahmen und abgehängte Rohrleitungen vor zu hohen Fahrzeugen.

Höhenbegrenzer und Schutzbalken im Einsatz

In Durchfahrten und vor Unterführungen sichern Höhenbegrenzer den vertikalen Raum. Sie warnen Fahrpersonal optisch und akustisch, bevor Masten oder angehobene Gabeln Deckenkonstruktionen, Sprinkleranlagen oder Torstürze beschädigen. Horizontale Rammschutzbalken am Boden begrenzen wiederum den Fahrbereich von Gabelstaplern im Torumfeld und sichern feuergefährdete oder empfindliche Wandbereiche zuverlässig ab.

Poller, Leitplanken und Profile im direkten Vergleich

Für die Auswahl der geeigneten Schutzelemente stehen im Betrieb verschiedene Bauarten zur Verfügung. Die Entscheidung hängt vom jeweiligen Einsatzbereich, dem Verkehrsaufkommen und den genutzten Fahrzeugtypen ab. Jede Bauform erfüllt spezifische Aufgaben bei der Sicherung von Wegen, Maschinen und Regalen.

ElementHauptsächliches EinsatzgebietKonstruktiver SchutzfokusTypische Befestigungsart
RammschutzpollerTorzargen, Ecken, LadeinfrastrukturPunktuelle Absicherung gegen AnprallSchwerlastanker / Verbundanker
LeitplankenFahr- und Gehwege, HallenwändeFlächige Trennung von VerkehrswegenBodenplatten mit Dübelverankerung
L- und U-ProfileRegalstützen, StänderfüßeDirekte Schalung gefährdeter WinkelUnabhängige Bodenverankerung

Anforderungsgerechte Auswahl für den Betriebsalltag

Rammschutzpoller bieten elastischen oder starren Punktnutzen vor empfindlichen Maschinen und Schaltschränken. Leitplanken trennen Fußgängerwege physisch von Fahrspuren und verhindern das Abkommen von Fahrzeugen in Gehbereiche. L-Profile und U-Profile schützen die unmittelbar gefährdeten Eck- und Zwischenstützen von Regalen. Die Kombination verschiedener Protektoren schafft eine geschlossene Schutzkette für die gesamte Halle.

Bodenbefestigung und Aufnahme der Aufprallenergie

Ein Rammschutz ist nur so belastbar wie seine Verankerung im Untergrund. Bei einer Kollision wirken hohe kinetische Kräfte auf die Konstruktion ein, die sicher in die Sohlplatte abgeleitet werden müssen. Ist die Verankerung für diese Kräfte unterdimensioniert, kann ein harter Stoß die Dübel aus dem Betonboden reißen und dabei Ausbrüche in der Bodenoberfläche hinterlassen. In solchen Fällen ist eine fachgerechte Schadenssanierung des Hallenbodens erforderlich, um die Tragfähigkeit wiederherzustellen.

Vergleich: Starre Stahlsysteme und flexible Polymer-Barrieren

Die Wahl des Materials bestimmt das Verformungsverhalten bei Stößen. Klassischer Stahl bietet hohe mechanische Festigkeit und starr blockierenden Widerstand bei schweren Lasten. Allerdings wird die Aufprallenergie unvermindert in die Bodenplatte geleitet. Moderne Polymer-Barrieren besitzen dagegen elastische Eigenschaften mit Memory-Effekt: Sie verformen sich beim Aufprall, absorbieren einen Großteil der Energie und kehren in ihre ursprüngliche Form zurück. Dies schont sowohl den Hallenboden als auch die eingesetzten Fahrzeuge.

  • Schwerlast-Bodenanker: Gewährleisten hohe Auszugskräfte in ungerissenem und gerissenem Beton.
  • Verbundmörtel-Systeme: Werden spaltfrei im Beton verklebt und verhindern das Eindringen von Feuchtigkeit.
  • Polymer-Absorption: Reduziert die Kraftübertragung auf die Verankerung und verhindert Bodenausrisse.

Rammschutz im laufenden Betrieb nachrüsten

Die Installation oder der Austausch von Schutzsystemen muss im betrieblichen Alltag oft bei laufendem Logistikbetrieb erfolgen. Eine vorausschauende Planung verhindert Kollisionen mit dem internen Warenfluss. Durch gezielte Vorbereitung lassen sich Montagezeiten verkürzen und Ausfallzeiten in Wareneingang oder Produktion vermeiden.

  • Bereichsabschrankung: Temporäre Absicherung des Montagebereichs durch Absperrgitter und deutliche Sperrflächenmarkierung.
  • Demontage von Altbeständen: Fachgerechtes Entfernen deformierter Stahlelemente und Beseitigen beschädigter Bodenanker.
  • Bodenaufbereitung: Ausbessern von Betonausbrüchen mit Schnellharz oder Reparaturmörtel vor der Neuverankerung.
  • Montage der Neusysteme: Setzen der Schwerlastanker und Ausrichten der neuen Poller, Planken oder Schutzprofile.
  • Prozessfreigabe: Sichtkontrolle und Freigabe des Verkehrsweges für den Staplerverkehr.

Ablauf und Minimierung von Betriebsunterbrechungen

Sicherheitsrelevante Nachrüstungen lassen sich staffeln oder in nebenschichtige Zeiten verlegen. Vormontierte Baugruppen und moderne Injektionssysteme ermöglichen kurze Aushärtezeiten des Ankerverbunds. Das sorgt dafür, dass freigegebene Fahrspuren schnell wieder voll belastbar sind.

Regelmäßige Prüfung und Instandhaltung der Schutzsysteme

Ein Rammschutz behält seine Schutzfunktion nur bei einwandfreiem technischem Zustand. Nach einer einmaligen Verformung verliert Stahl seine volle Tragfähigkeit und muss ausgetauscht werden. Der Gesetzgeber schreibt deshalb kontinuierliche Kontrollen vor. Neben wöchentlichen Sichtprüfungen durch das eigene Personal verpflichtet die BetrSichV in Verbindung mit der DIN EN 15635 Unternehmen zu einer Experten-Regalinspektion im Abstand von spätestens 12 Monaten.

  • Wöchentliche Sichtprüfung: Kontrolliert Regale und Schutzkomponenten auf sichtbare Schäden und Verformungen.
  • Jährliche Experteninspektion: Systematische Prüfung aller Lagereinrichtungen durch eine zertifizierte befähigte Person.
  • Dokumentation und Kennzeichnung: Lückenlose Protokollierung der Prüfergebnisse und Anbringen von Prüfplaketten.

Werterhalt und Komplettbetreuung mit SVEAG

Für Betriebe, Logistiker und Hausverwaltungen in Deutschland erfordert die Einhaltung sämtlicher Arbeitsschutz- und Prüfvorschriften personellen und organisatorischen Aufwand. SVEAG unterstützt Immobilienbetreiber umfassend bei der Instandhaltung ihrer Liegenschaften. Mit einem strukturierten Wartungsservice werden regelmäßige Begutachtungen und Prüfintervalle zuverlässig abgedeckt. Ergänzend sorgt der professionelle Hausmeisterservice für die fachgerechte Behebung von Mängeln, saubere Außenanlagen und die Werterhaltung der gesamten Objektinfrastruktur.

Rammschutz & Anfahrschutz – deutschlandweit in allen 16 Bundesländern

SVEAG montiert Rammschutz als Rammschutz & Anfahrschutz für Hausverwaltungen, Wohnungsgenossenschaften und Eigentümer deutschlandweit an 76 Servicestandorten in allen 16 Bundesländern. Ein Auszug unserer Servicestandorte (verfügbar an allen 76):

Weiterführender Artikel: Anfahrschutz: Pflichten, Gefährdungsbeurteilung und Kontrolle

Häufige Fragen

Wann ist ein Rammschutz im Lager gesetzlich vorgeschrieben?

Gemäß DIN EN 15635 und den DGUV-Vorgaben ist ein Anfahrschutz zwingend an allen Eckbereichen und Durchfahrten von ortsfesten Regalsystemen erforderlich, sofern dort nicht leitliniengeführte Flurförderzeuge (wie Gabelstapler) eingesetzt werden.

Wie hoch muss der Anfahrschutz für Regale sein?

Der Anfahrschutz an Regalstützen muss eine Mindesthöhe von 400 mm aufweisen, um einen wirksamen Schutz gegen die Gabeln und das Fahrwerk typischer Gabelstapler zu bieten.

In welchen Farben muss ein Anfahrschutz markiert sein?

Zur optimalen Sichtbarkeit fordert die DGUV Information 208-061 an Gefahrenstellen eine gelb-schwarze Warnmarkierung. Diese stellt sicher, dass Staplerfahrer den Rammschutz auch bei eingeschränkten Lichtverhältnissen gut erkennen.

Welcher Rammschutz eignet sich für Fußgängerwege?

Um Fußgängerwege sicher vom Staplerverkehr zu trennen, empfehlen sich durchgehende Leitplanken oder Schutzgeländer. Poller werden hingegen eher für den punktuellen Schutz von Toreinfahrten oder Gebäudeecken genutzt.

Wer ist für die Prüfung der Rammschutzsysteme verantwortlich?

Der Betreiber des Lagers ist in der Pflicht. Die Sichtprüfung sollte regelmäßig erfolgen, zudem muss der Anfahrschutz im Rahmen der jährlichen Experten-Regalinspektion (nach DIN EN 15635) zwingend auf Deformationen kontrolliert werden.